Sonntag, 21. August 2022 – Von Hexen, Werwölfen und Meuchelmördern

Blutrot erhebt sich die Halbmondsichel über der Weißen Zeltstadt in Rantum. Und „blutig“ ging es heute auch im Lager zu….

Bereits seit einigen Tagen haben mehrere Mörder ihr Unwesen zwischen Zelten, Spielzeugtreckern und Spülbecken getrieben. Das sogenannte Mörderspiel zwingt alle Erwachsenen zu kreativen Einfällen, wie sie den Personen, deren Namen sie gezogen haben, möglichst unauffällig einen Gegenstand in die Hand drücken können. Nimmt das ahnungslose Opfer diesen an, ist es um sie oder ihn geschehen. Die oder der Tote gibt nun seinerseits ihren Zettel mit dem Namen des zu Killenden weiter – so hat sich in der ersten Woche manch beachtliche Mörderbiografie entwickelt. Zum ‚Jack the Ripper von Rantum‘ wurde Dirk mit sagenhaften acht Morden gekürt. Dass er kurz vor Spielende selbst noch von seinem ausdauernden Mörder um die Ecke gebracht wurde und welche kreativen Anläufe es dafür gebraucht hatte, hat für zahlreiche Lacher an der Feuertonne gesorgt. (Wer sie hören möchte, sollte an einer Familienfreizeit der nächsten Jahre teilnehmen; sie werden ins kollektive Gedächtnis der Lagerhistorie eingehen und sicher noch häufig zum Besten gegeben werden).

Nach Einbruch der Dunkelheit wurde es noch schauriger: Hexen und Werwölfe gingen im Zeltlager um… Gesellige Spielerunden verteilten sich im Essenszelt, bzw. unter den beiden Kastanien und spielten das Kartenspiel ‚Wizard‘ oder das Rollenspiel ‚Werwolf‘. Zumindest bei letzterem wurde wieder wild gemordet, gemeuchelt und gefressen. Passend zur schaurigen Atmosphäre flackerten einige Lampen der bunten Lichterketten unruhig. Wohl niemanden hätte es gewundert, wenn auf einmal eine alte Frau auf einem Besenstiel um die Ecke gekommen wäre.

Spät abends nach dem Zähneputzen auf dem Weg zum eigenen Zelt, als der Rest des Lagers bereits in einem friedlichen Schlummer lag, vernahm der Verfasser dieser Zeilen auf einmal seltsame Geräusche aus dem Nachbarzelt. Ein kurzer Schreckmoment in der Dunkelheit, dann Entwarnung der angespannten Nerven: Kein Werwolf trieb dort sein Unwesen, es war nur das Schnarchen des Nebenmannes.